Auf ein Wort

Auf ein Wort:

Besonnene Argumente, politisch unkorrekte Meinung oder Hetze?

Ist es noch erlaubt, andere Meinungen als die der Willkommenskultur frönenden Wortgeber  anzudenken bzw. zu äußern? Ist es möglich zu differenzieren, ohne sich gleich einer gesellschaftlichen, schlimmstenfalls wirtschaftlichen Existenzvernichtung ausgesetzt zu sehen?

Wer einen Blick auf die Welt wirft kommt nicht umher festzustellen, wie Not, Leid und die nackte Angst ums Überleben Menschen dazu zwingt, ihre Heimat, ihre Familien oder beides zu verlassen schlimmstenfalls zu verlieren. Humanitäre Katastrophen, Armut und Krieg, alles Gründe für Menschen, sich berechtigterweise für ein anderes, besseres Leben zu entscheiden. Es ist gut und richtig, dass es eine gesellschaftliche Verantwortung gibt, hier zu helfen. Helfen um das Nötigste zu lindern. Was für die einen eine einfache humanitäre Selbstverständlichkeit ist, kann für andere aber berechtigte oder unberechtigte Ängste aufkommen lassen. Angst  begegnet man aber zuerst mit Verständnis und nicht mit Verboten. Angst löst sich durch Wissen und Sicherheit auf, nicht durch Belehrung und Drohung. Genauso ist es notwendig, nicht mit einfachen Antworten auf komplexe Fragen zu reagieren.

Aber wo wird noch differenzierte Meinung geduldet? Wo lauert nicht schon ein politisch motivierter Sittenwächter, um mit bekannten Ächtungsparolen seiner eigenen Befriedigung nachzukommen? Sind nicht die direkten Folgen des weltweiten Globalismus, die weltweite Ressourcenzerstörung und Ausbeutung durch skrupellose Konzerne und Politikerkreise für Hunger und Elend mindestens mitverantwortlich? Sind nicht massenweise geführte Kriege, vornehmlich der Nato, schuld an einer wachsenden Destabilisierung weiter Teile Afrikas und des Nahen Ostens?  Gibt es nicht interessierte Kreise, die sich über billige Arbeitskräfte in Konkurrenz zu heimischen Arbeitnehmern freuen? Oder wie darf man den Vorstandsvorsitzenden Dieter Zetsche verstehen, der im Vorfeld der IAA meinte, dass 800 000 Flüchtlinge auch eine Grundlage für ein neues Wirtschaftswunder sein können? Nur am Rande, wenn Herr Dieter Zetsche Gutes tun will, so kann er doch anstatt die für 2016 zugesagte Anzahl an 190 Ausbildungsplätzen im Werk 10 auf 1900 oder mehr ausweiten. Arbeitsministerin Nahles geht immerhin davon aus, dass nur 15 bis 20 % für den deutschen Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen können.

Ist es schon verdächtig wenn:

  1. auf das Argument, man benötige in einer alternden Gesellschaft dringend junge Menschen aus aller Welt entgegenhält, dass laut einer aktuellen Studie der Bertelsmann-Stiftung, 26 Millionen junge EU-Bürger von Armut und sozialer Ausgrenzung bedroht sind, trotz guter Ausbildung und der Möglichkeit überall in Europa arbeiten zu können?
  2. man dem behaupteten Fachkräftemangel widerspricht und darauf verweist, wieviel gut Aus- oder Weitergebildete es gibt und weiter, man darin eher einen Versuch sieht, eine gerechte Teilhabe am wirtschaftlichen Erfolg in Form von Lohndumping zu unterwandern?
  3. Dr. Heinz Bude , Professor für Soziologie an der Uni Kassel darauf hinweist, dass 12 bis 15% der Beschäftigten in Deutschland mit einem Einkommen zwischen 900 und 1100 € auskommen müssen und keine Perspektive zum sozialen Aufstieg haben, einen immer größeren Anteil der lohnabhängig Beschäftigten darstellen?
  4. eine immer größer werdende Gruppe aus Verbitterten des Mittelstandes sich abgehängt und nicht verstanden fühlt?
  5. vornehmlich erstere Gruppe, die Prof Dr. Heinz Bude Dienstleistungsproletariat nennt, die Neuankömmlinge als direkte Konkurrenten versteht?

 

Mit anderen Worten, wenn das Kernklientel der Gewerkschaften als dringlichste Botschaft vom IG Metall-Chef, Jörg Hofmann, zu hören bekommt, „Wer hetzt der fliegt“ und zwar explizit darauf bezogen, was die jeweiligen Menschen privat z.B. in sozialen Netzwerken äußern, dann scheint der Grundsatz, dass privates und geschäftliches zu trennen ist, aufgehoben.

Und überhaupt, wer legt denn fest, wann etwas eine sachliche Frage, eine berechtigte oder unberechtigte mehr oder weniger reflektierte Angst oder tatsächliche Hetze ist, die zu Recht mit den Mittels des Rechtssaat geahndet werden kann?

Totalitäre Züge haben solche Forderungen, die nur vordergründig als richtig erscheinen, denn in Wirklichkeit setzen sie demokratische Willensbildung außer Kraft, beschneiden die persönliche Freiheit eines jeden Einzelnen, laden ein zu Gesinnungsjustiz und Denunziantentum, die an die Stasi erinnern. Sie fördern mitnichten das Zusammenleben unterschiedlichster Menschen. Zuhören und Bereitschaft zu Dialog und nicht Belehrung und Bedrohung sind die richtige, besonnene Strategie, um Ängste abzubauen und Lösungen voranzubringen. Davon ist nicht nur der IG Metall-Chef weit entfernt.

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